SEINE EXZELLENZ, DER HOCHWÜRDIGSTE HERR MILITÄRBISCHOF MSGR. MAG. CHRISTIAN WERNER, REGIERENDER MILITÄRORDINARIUS VON ÖSTERREICH FÜR DIE KATHOLISCHEN SOLDATEN UND ANGEHÖRIGEN DER MILITÄRDIÖZESE

AUSGEWÄHLTE INTERVIEWS UND PRESSEAUSSENDUNGEN

Zur Zeit befinden sich im Interview-Archiv von www.padre.at:

1. (2001) Erklärungen und Ermahnungen (Bischof Werner ist im Rahmen der Bischofskonferenz referatsmäßig für die Männerbewegung zuständig) vom 14. und 17. Juli 2001 zu den schwerwiegende Irrtümer enthaltenden Thesen über sog. "homosexuelle Partnerschaften" und das Schutzalter in Österreich, die nach einer Sommerakademie durch eine kleine Gruppe namens der KMBÖ völlig überraschend verbreitet wurden.

2. (1998) Auszüge aus einem Gespräch mit Dietmar Neuwirth, Die Presse (erschienen am 8. Juli 1998 in derselben Tageszeitung im Ressort "Innenpolitik") unter dem Titel "Keine Abstimmung über die heißen Eisen": Bischof Christian Werner. Der Militärbischof über die Causa Groër, Zölibat, Frauenpriestertum, Papsttreue, die Delegiertenkonferenz des "Dialogs für Österreich". Abrufbar ebenso im Online-Archiv der Presse.

3. (1993) Gespräch mit Eberhard Wagner, bekannter Waidhofener Schriftsteller, damals Sekretär der KMB in der Diözese St. Pölten über den Sinn einer katholischen Männerbewegung und der KMB. Sein Roman "Helena - das Gute ist, was bleibt", kann besonders zum Kauf empfohlen werden: ISBN 3-85165-360-2 im Passagenverlag Wien 2000.

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1. (2001) PRESSEAUSSENDUNGEN vom 14. und 17. Juli 2001 - Erklärung des Referatsbischofs für die Katholische Männerbewegung Österreichs (KMBÖ) im Zusammenhang mit der jetzigen Debatte um die Seelsorge für Personen mit homosexueller Neigung: "Schutzalter soll bleiben - demgegenüber steht das Papier der KMB in einigen Punkten im Widerspruch zur Lehre der katholischen Kirche"

+) Die katholische Männerbewegung hat bedauerlicherweise ohne jede Absprache mit mir, dem zuständigen Referatsbischof, zum Thema Homosexualität eine Erklärung abgegeben, die in mehreren Punkten inhaltlich fragwürdig ist und im Widerspruch zur Lehre der katholischen Kirche steht.

+) Eine Seelsorge für Personen mit homosexueller Neigung entspricht einem wichtigen Anliegen. Es bestehen diesbezüglich bereits mehrere Initiativen. Eine solche Seelsorge muß aber - wenn sie hilfreich sein will - auf der Grundlage der Schöpfungsordnung erfolgen. Mehrdeutige Zeichen wie die Erteilung eines Segens für homosexuelle "Paare", sind zu vermeiden.

+) Mit der Frage Schutzalter (§ 209) hat sich die Österreichische Bischofskonferenz mehrmals befaßt. Wir sind zum Schluß gekommen, daß es keine Gründe zur Senkung des Schutzalters gibt, wohl aber wäre eine Anhebung bei Mädchen und im Zusammenhang mit Heterosexualität zu erwägen.

+) Was die jüngste Debatte über die "Seelsorge für Personen mit homosexueller Neigung" betrifft, hat die KMBÖ sowie die diözesanen Männerbewegungen seit Jahren Kenntnis von der Lehre der Kirche und einigen Stellungnahmen österreichischer Bischöfe zu diesem Thema (besonders seit dem Jahr 1995 infolge eines Briefes der KMB Salzburg an die im Parlament vertretenen Parteien zur "Entdiskriminierung homosexueller Menschen" - Beispiel: Schutzalter).

+) Um eine fruchtbare Neuevangelisierung (Auftrag des Papstes) gewährleisten zu können, muß es ein Miteinander des Leitungs- und Lehrauftrages der Bischöfe und des Laienapostolates geben.

+) Grundsätzlich ist jede Diözese für ihre KMB verantwortlich.

+) Die KMBÖ arbeitet zur Erfüllung ihres Apostolatsauftrages mit dem jeweiligen Referatsbischof für Männerarbeit zusammen.

+) Die KMBÖ hat die Tätigkeiten der diözesanen Männerbewegungen zu koordinieren, gesamtösterreichische Initiativen zu entfalten, internationale Kontakte zu pflegen, am Aufbau des Laienapostolats z. B. bei unseren Nachbarländern mitzuhelfen und Projekte in den Entwicklungsländern zu unterstützen.

+) Die Aufgabe des sogenannten "geistlichen Assistenten" besteht in der spirituellen Vertiefung der Mitglieder in den diözesanen Bewegungen und auch im Rahmen der KMBÖ.

+) Sicher ist das Bemühen und die Sorge der KMB um das Leid vieler Betroffener zu begrüßen, dennoch, so glaube ich, ist der Heiligungsauftrag der Kirche, welcher seine Grundlage im Wort Gottes hat und sich im Lehramt der Kirche äußert, noch nicht ganz aufgenommen und angenommen bzw. verstanden worden. ("Mitleid mit Neigungen" ist noch lange keine wahre Hilfe und Heilungschance für Betroffene).

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2. (1998) INTERVIEW: "Keine Abstimmung über die heißen Eisen"

Dietmar Neuwirth: Was bleibt vom Papstbesuch?

Msgr. Christian Werner: Man sollte an der Basis lebendiger werden: Das gemeinsame Gebet wieder zu sehen, das Glaubensgespräch in der Familie. Ich merke, wenn ich bei katholischen Familien eingeladen bin, daß es fast peinlich ist, ein Tischgebet zu sprechen.

Mehr Spiritualität und weniger Aktionismus?

Werner: Es ist leichter, Brote aufzustreichen, ein Viertel auszuschenken, Schmäh zu führen. Es ist für viele schwerer, einmal Zeugnis abzulegen, zu einem Rosenkranz, in eine Maiandacht zu kommen oder Vorbeter zu sein, das gilt vor allem für Männer.

Manche haben vom Papst ein Wort zur Causa Groër erwartet. Ist für Sie die Angelegenheit nun beendet?

Werner: Für den normal Gläubigen ist das nicht mehr das Problem, wie es in den Medien dargestellt wird.

Bischof Weber hat erst jüngst wieder betont, daß er doch noch auf ein Wort aus Rom hofft. Was erwarten Sie aus Rom?

Werner: Ich glaube, daß dort die richtigen Weichen gestellt sind. Und in Österreich gibt es Beratungsstellen in einigen Diözesen, wo man versucht, mit den ... Opfern das nicht unter den Tisch zu kehren ...

Es gibt eine Erklärung von vier Bischöfen , daß die Vorwürfe gegen Kardinal Groër im wesentlichen zutreffen. Natürlich gibt es da Opfer und Täter.

Werner: Die Erklärung habe ich nicht gutgeheißen. Der Papst ist derjenige, der einzig und allein zuständig ist.

Haben die vier Bischöfe ihre Kompetenzen überschritten?

Werner: Von meiner Warte aus ja, weil der Papst zuständig ist.

Papsttreue - was bedeutet das in Bezug auf die Diskussion über die sogenannten heißen Eisen in der Kirche bei der Delegiertenkonferenz im Oktober (1998), wobei ja die Haltungen des Papstes längst bekannt sind?

Werner: Auch ein Papst kann sich nicht über etwas vom Herrn Eingerichtetes hinwegsetzen. Da stehe ich dahinter.

Soll beim Delegiertentag über die heißen Eisen wie Zölibat, Priesterweihe von Frauen, abgestimmt werden?

Werner: Das ist nicht sinnvoll. Es handelt sich um keine Synode, sondern einen Delegiertentag. Im Plenum soll eine Konsensformulierung gefunden werden, wo man die Gemeinsamkeiten, die es vielfach gibt, vertiefen kann, und keine plakativen Optionen.

Also keine Abstimmung im Plenum über Frauenweihe und Zölibat?

Werner: Jawohl. Es gibt keine Abstimmung. Es soll gemeinsam nach der Wahrheit gesucht werden. Das hat gar nichts damit zu tun, zu sagen: Die haben gewonnen oder die haben gewonnen, wir sind ja bei keiner Weltmeisterschaft. Was bringt eine Abstimmung? Gewisse Wahrheiten, die es gibt, können ja nicht durch eine Abstimmung in Frage gestellt werden. Das ist ja kein Parlament! Wir werden schauen, daß wir ein Stück einsichtiger geworden sind, daß wir uns nicht polarisieren.

Wo soll denn in der Frage Zölibat ja oder nein ein gemeinsamer Nenner gefunden werden? Ist da eine Vermittlung möglich?

Werner: Es geht darum, ein Verständnis für die Sache zu finden.

Das heißt, der Delegiertentag dient dazu, jenen, die anderer Meinung als der Papst sind, dessen Lehrmeinung verstehen zu helfen?

Werner: Ja. Alles andere wäre ja auch nicht sehr sinnvoll. Daß sich viele für den Zölibat schwerer entscheiden, weil alles immer in Frage gestellt wird, ist ein schlechter Dienst. Wenn man laufend in Zeitungen liest oder bei uns sagt, wart' bis ein anderer Papst kommt - so kann es nicht gehen! Für mich ist Dialog, an die Wahrheit heranführen: Was will Gott, was will Christus? Daß manche den Dialog abblocken, weil sie sagen, ich stehe nicht mehr hinter der verbindlichen Lehre der Kirche, das ist nicht mein Kaffee.

Ist das dann überhaupt noch ein Dialog?

Werner: In jedem Verein oder jeder Firma gibt es grundsätzliche Verbindlichkeiten. Und für die Verbindlichkeit und die Aufrechterhaltung der Wahrheit sind wir Bischöfe verantwortlich, und unsere Aufgabe ist es, nur im Dienste dieser Wahrheit zu handeln. Daß es da Dinge gibt, wo man sagt, da können wir nicht mehr weiter, das ist nicht unsere Schuld. Wir zwingen ja die Wahrheit niemandem auf. Es ist ein Angebot. Wenn jemand dieses Angebote nicht leben kann, dann bleibt ihm ohnehin nichts anderes übrig, als irgendwelche Konsequenzen zu ziehen. Aber ich glaube, so weit ist es gar nicht.

Auch in der katholischen Kirche gibt es Kritik, daß es einen eigenen Bischof für das Militär gibt. Wie erklären Sie die Bevorzugung gegenüber Zivildienern?

Werner: Ich habe dem Zivildiener, den ich hoch achte, wenn er die richtigen Gründe hat, kein anderes Evangelium zu verkünden als dem Soldaten. Ich sehe mich wirklich als Friedensbischof.

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3. (1993) INTERVIEW: "Wozu katholische Männerbewegung (= KMB)?"

Msgr. Christian Werner: Ein Mitglied der Arbeitsgemeinschaft katholische Soldaten (AKS), die der KMB entspricht, hat darauf geantwortet: "Um christliche Werte ins Leben hineinzutragen, um den Glauben zu verlebendigen, um sich mutig zu artikulieren, um mehr Leben in die Gemeinde hineinzutragen. Um nach dem Evangelium zu leben und für die Kinder die Frohbotschaft erlebbar zu machen. Es gehören auch Querverbindungen zu anderen Gliederungen dazu. Ich nehme die Verantwortung als Laie, aktiv an Kirche mitzugestalten, ernst und will mich einbringen. Dabei gehört es auch ganz einfach dazu, Freundschaft zu pflegen. Ich suche den Dialog mit Andersdenkenden und -gläubigen." Und die tun das wirklich: Da waren Gespräche mit Moslems, aber auch mit Haider.

Eberhard Wagner: Stichwort KMBÖ:

Werner: Die KA ist vielfach noch ein wunder Punkt. Man hat ihr früher immer vorgeworfen, "nur Papier" zu erzeugen. Heute wirft man ihr das Gegenteil vor - zuviel Eigendynamik. Aber es wird immerhin etwas getan. - Im Vergleich zu anderen Bewegungen tut man der KMBÖ Unrecht. Da sind sehr viele Projekte in Arbeit: Das Projekt "Mannsein" - da bricht schon etwas auf. Oder die Ostafrika-Entwicklungspolitik, der Aufbau eines Laienapostolates in Ost-Mitteleuropa nach der Katholischen Soziallehre oder die Europaarbeit. Die Internationalisierung des Engagements bringt organisatorische Probleme und hat dringenden Koordinationsbedarf, weil ja niemand mehr weiß, was da noch passiert - aber um das zu stoppen, dafür ist es schon zu spät! Das hätte man vor zehn Jahren tun müssen. Jahrelang hat man zugeschaut, und jetzt, wo was geschieht, versucht man aufzuhalten. Natürlich muß das aus der Tiefe des Glaubens geschehen! Aber grundsätzlich ist Apostolat Sendung! Und es wird wirklich etwas getan! Mehr Arbeit macht es auch notwendig, mehr zu koordinieren, und dafür braucht man auch bezahlte Kräfte. Daß sie nun wieder einen eigenen Referatsbischof (mich) haben, hat ihnen auch mehr Mut gemacht und ist eine Anerkennung der Arbeit.

Wie sehen Sie die KMB in Österreich?

Werner: Die KMB ist in Österreich sehr verschieden. Ich meine, daß Föderalismus auch gut ist, er stellt das Eigenleben dar wie es die Männer selber haben. Jede Diözese hat ihre eigenen Schwerpunkte und Programme. Das schafft gesunde Konkurrenz, auch in österreichweiten Zentralstellen wie der KMBÖ. Gewisse Dinge sollten koordiniert werden, aber an und für sich muß das Diözesanprinzip gewahrt bleiben! Eine Zentralstelle soll Hilfe zur Entfaltung geben, aber gestandene Dinge belassen und nicht in die Diözese eingreifen. Es sollte einfach eine gute Zusammenarbeit geben. Wenn ich z. B. die Österreichwallfahrt in Klosterneuburg sehe mit zehntausenden Männern aus ganz Österreich, dann ist das schon ein Bekenntnis! Es sollte aber nicht zu einem Zentralismus werden! Zusätzlich tauchen - auch innerdiözesan - Kompetenzschwierigkeiten auf. Es ist leider in der Kirche häufig, daß Aufgaben wenig beschrieben sind, man aber für viel verantwortlich gemacht wird. Aber mein Eindruck von der KMB ist grundsätzlich sehr positiv!

Geht das starke entwicklungspolitische Engagement nicht an der ursprünglichen Sendung der KMB vorbei? Das Problem der Altersstruktur bringt doch das Problem, wieweit die ursprünglichen Gedanken noch in der KMB berücksichtigt werden - das haben diese Leute doch unterschrieben, und das wurde ihnen versprochen?!

Werner: Der Auftrag, sich für Arme und Geknechtete einzusetzen ist legitim. Heute ist die Bewegung nicht mehr beschränkbar auf Vertiefung des Glaubens. Der Glaube will gelebt werden. Die ursprüngliche Idee muß natürlich bleiben. Aber die Ausfächerung darf sich nach der Zeit richten. Zunächst muß es bei mir stimmen! Über die persönliche Heiligung entsteht der Apostolatsauftrag, auch über Grenzen hinaus! - Natürlich aber auch hier: Die Wurzel muß stimmen. Da muß Umkehr echt da sein, die Hinkehr muß gefestigt werden. Erst dann kann ich mein Engagement ausfalten.

Ist diese Wurzel noch vorhanden?!

Werner: Jedenfalls die Sehnsucht, die ist wirklich vorhanden! Das ist ganz verschieden feststellbar, und auch nicht überall gleich. Aber ich sehe immer wieder gute Ansätze. Nochmal: Eine echte Glaubensvertiefung ist das Wichtigste!

Neuevangelisierung?

Werner: Das klingt so nach "wieder katholisch machen", nach: "... wo der Bartl den Most herholt"! Was wir brauchen, ist die Vermittlung von Inhalten, sodaß klar wird, daß der Glaube ein unverzichtbares Angebot für die Lebensbewältigung ist. Und das Evangelium ist die Quelle. - Wir leben in einer total säkularisierten Welt, da muß man den Männern viel Mut zu einem geistlichen Leben machen! Und pfarrlich geschieht oft wirklich viel! Die Leute haben ja Hunger! Aber man muß das so machen, daß sie Gusto auf das kriegen, was eben fehlt.

Warum gibt es so viel ungestillten Hunger?

Werner: Wir haben es heute mit so einer Flut von Einflüssen zu tun - wenn ich mich da an meine Kindheit noch erinnere ... Die Leute haben sich in Oberflächlichkeit selbst verloren. Es hat die Ruhe gefehlt, und damit kommt man gar nicht mehr zu Gott. Man hatte keine Zeit mehr - und jetzt stellt man fest, daß man ganz leer ist, daß alles verschüttet ist. Die heutigen Götter sind so vielfältig. Man hat die Tiefe verloren. Und wenn man keine Zeit mehr zu fragen hat, hat man auch bald keine Fragen mehr.

Aber ist nicht ein Erstarken der Sehnsucht festzustellen?

Werner: Gott sei Dank - die Leute wollen wieder glauben! Und deshalb kommen die Sekten auf. Wir müssen die Methoden ändern: Heute sind halt keine Massen mehr zu begeistern. Man muß in kleinen Zellen die Leute zu einer echten Entscheidung für Christus hinführen. Aber vor allem: Die Leute wollen gefordert werden!! Die wollen kein Wischiwaschi! Wir sind viel zu vorsichtig! Es braucht ein gesundes Elitebewußtsein! Man muß wieder stolz sein, Christ zu sein! Leider kommt heute oft das Zeugnis nicht mehr von innen heraus, man muß sehr mühsam die Wurzel zuleiten! Heute hört man das nicht gerne, aber der Mann ist eben das Haupt der Familie, das ist einmal so!

Das Ende der Emanzipation?!

Werner: Der Mann muß sich wieder aufrichten! Er geht auf im Organisieren, nur weil er das halt von Natur aus kann, und alles wird ihm angehängt. Zutiefst verunsichert weiß er nicht mehr so recht - soll er mehr Geschirrwaschen oder Kinderhüten ... Er hat sich total in einen Aktionismus drängen lassen, der die Werte aber verschiebt! Das geht soweit, daß nicht einmal mehr die Sonntagsmesse ganz abgewartet wird, weil da wartet schon das Pfarrkaffee, wo noch was zu tun ist usw. Das Wesentliche geht unter. Gerade heute braucht der Mann wieder eine feste Identität, aus der er zu einem gesunden Glaubensbewußtsein kommt. Und der Männerglaube ist einfach anders! Deshalb brauchen die Männer auch einen Bereich für sich - so wie die Frauen. Freilich kann man auch mal Frauen einladen, vielleicht zu gemeinsamen Themen. Aber an sich ...

Fundamentalismus?

... da gibt es so häßliche Erscheinungen. Das ist wie eine Art Gegenbewegung gegen den Säkularismus. Wir brauche Verkündiger, die sich wie Gärtner um ihre Pflanzen kümmern, sie hegen, pflegen, gießen, damit es in Ruhe wächst und gedeiht. Aber manche wollen einem den Weltkatechismus um die Ohren hauen. "So, jetzt zeigen wir euch, was 'ne Harke ist." Und in ehrgeizigen Neuevangelisierungskampagnen werden Millionen Katechismen unter die Leute zwangsweise gebracht, und es kann losgehen. Der Katechismus ist ein Nachschlagewerk, zu dessen Studium man auch die Konzilstexte und die Väter kennen sollte! Wir sollten froh sein, ihn zu haben. Und mit ihm umgehen, wie wir uns an ein großes Werk heranmachen. Wir müssen aber diese Hilfe mit Fleisch füllen! Damit dosiert umgehen, keine bedrohlichen "Erklärungs- oder Gegenwellen" starten. Trichter aufgesetzt, eingefüllt, Punkt. - Freilich haben die Bischöfe große Sorgen! Das wird leider oft nicht verstanden und führt zu Erscheinungen ... Sie verstehen? Wir Bischöfe sollten uns da nicht auseinanderdividieren lassen! - Was ich falsch finde, ist allerdings die Verunsicherung über das II. Vatikanum, die in letzter Zeit ausgelöst wurde. Viele Leute, die total engagiert waren, kommen jetzt mit großer Sorge! Haben wir tatsächlich Mißbrauch getrieben? Werden wir jetzt gebremst? Waren wir gar ungläubig? Was ist jetzt richtig - Mund- oder Handkommunion. Natürlich braucht es die Ehrfurcht, und sie ist oft beklagenswerterweise viel zuwenig da! Es gibt Erscheinungen in der Meßgestaltung, die nicht erfreulich sind. Wir stellen stellen fest, daß Kommunionbänke voll, Beichtstühle leer sind. - Aber ich finde so Gegenbewegungen falsch, die die alten Formen als Allheilmittel ansehen. Ist das Meßopfer ein Mysterium nur wegen Latein?! Wir sind doch keine Beschwörer, die sich mystisch-bewegt über den Altar beugen und geheimnisvoll murmeln, der Herr selbst handelt! Natürlich gibt es Extreme. Unlängst habe ich einige Studenten mit einem Priester - ganz salopp mit Jeans und T-Shirt - so eigenartig beisammen stehen sehen. Ich frage, was sie da tun, da haben die eine Pizza gegessen, bis einem eingefallen ist, damit Messe zu feiern. Die habe ich schnell verjagt! Aber man soll nicht bei der Form anfangen. Man muß zuerst die Früchte des Geistes sensibilisieren. Wenn ich da an die Eucharistie denke - es fehlt an tief erfaßten Zeugen!! An Priestern, an denen erlebbar ist, was Hingabe heißt! Es fehlt an Vermittlern! Die Inhalte müssen zu Beziehungen werden! Wir brauchen Bezug zu den Geschehen!

Wie sollte deshalb eine Jahresarbeit einer KMB aussehen?

Werner: Das geschieht doch ganz ordentlich, wie ich aus ihren Unterlagen sehe. Nur sollte halt nicht ein Thema hingeschnalzt werden - Prack: Heuer machen wir Familie, und alle "horuck". Aus der Thematik heraus sollte sich eine Glaubenserneuerung aufbauen. Keine sture soziologisch-psychologisch-theologische Aufarbeitung des Themas! - Beim Katechismus z. B. ist bei der Vermittlung etwas in die Hose gegangen, daß der Katechismus nicht als Hilfsmittel, als Orientierungshilfe angesehen wird.

Aber verkommt Glaube nicht oft schon zu einem vordergründigen Gefühls-Erlebnis?

Werner: Das darf natürlich nicht sein! Dabei geht die Tendenz z. B. in den Medien erschreckend da hin! Glaube muß sich immer zwischen den Polen "Inhalte" und "Gefühl" bewegen. Ich komme gerade von einer Medientagung in Köln (ich bin ja auch Medienbischof), und da wird nur noch von "Betroffenheit" geredet, alles nur noch danach gemessen, wie die Menschen betroffen gemacht werden können. Das kann nicht unser Weg sein, daß sich die Leute nur noch ihr Gefühl abholen. Wir müssen die Gesamtheit des Menschen ansprechen, ihn zu einer Beziehungsfähigkeit hingeleiten.

Haben Sie dafür ein Konzept?

Werner: Ich habe kein Konzept. Ich weiß nur, daß es "gestandene Leute" braucht, keine Softies! Die Gemeinde muß wie eine Familie da sein. In deren Mitte der Herr lebt, die füreinander da ist in Freud und Leid! Die einander Quelle und Stärkung bedeutet! Das ist nicht vergleichbar mit diesem "High"-Gefühl, wie es für die Freikirchen so typisch ist! Das muß eine Freude sein, die vom Herrn getragen ist, und nicht ein Gefühlsausbruch. Keine Happyness wie bei diesen Heilungsgottesdiensten, wo die Leute wie paralysiert herumlaufen und einander um den Hals fallen. Das bedeutet ein Leben aus der Kraft, geradlinig, stark, ein der Welt ins Angesicht schauen!

Wie soll das erreicht werden?

Werner: Nocheinmal: Ich habe kein Konzept. Abgesehen von der Notwendigkeit zur Vertiefung. Es muß uns gelingen, noch intensiver den geistlichen Menschen im Laien zu wecken. Durch Vertiefungs-Angebote, viel mehr Exerzitien, Einkehrtage. Der Mann muß wieder zurück zu einfachen Verhaltensweisen, die diese Innerlichkeit ausdrücken. Nicht groß, in der Familie: Tischgebet, Kreuzweg, in alltäglichen Dingen. Im Wirtshaus das Kreuzzeichen machen vor dem Essen. Ich bin da mit einem 16jährigen vor ein paar Jahren bei einem Kreuz vorbeigefahren, plötzlich macht der ein Kreuzzeichen. Drei Jahre später fahre ich wieder vorbei mit ihm - nichts mehr. Man soll nicht immer die großen Dinge sehen, sondern ganz bewußt als Laie leben - jeder drängt so zu einem Amt, das finde ich einfach falsch! Der Laie nimmt Teil kraft seiner Berufung! Jeder hat seinen Platz! Es fehlt halt einfach an der Grundhaltung: "Herr, was hast Du vor mit mir?" Schauen Sie, ich wollte ursprünglich gar nicht Priester werden! Einmal hat eine Frau zu mir gesagt: Schade, daß Sie Pfarrer geworden sind, Sie hätten als normaler Mensch glaubwürdiger Christ leben können. Wenn das keine Aufwertung des Laien ist! Seid glücklich über Eure Stellung, drängt nicht nach einem Amt! Gott hat für Euch andersartige Verwendung!

Wo sind Vorbilder?

Werner: Gerade Ihr Bischof sagt es immer wieder: Ich setze auf die Priester! Man muß sich natürlich fragen: Wie geistlich sind unsere Geistlichen? Vielzuoft sind sie zu wenig selber in Gott verwurzelt. Da ist oft organisatorische Überlastung, profillose Anpassung oder geckenhafte Anbiederung. Die werden halt oft zu "Messelesern" degradiert. Sie müssen wieder zu Zentren ihrer Gemeinden, zum Mittelpunkt einer Atmosphäre des Vertrauens werden ... sonst muß Frustration kommen. Dann wird es auch wieder genug geistliche Berufungen geben. Heute kann man einfach zuwenig den vom Geist erfüllten Menschen im Priester erleben.

Also müssen wir warten ...?

Werner: Diese Innerlichkeit wird doch in keiner Position erlebt! Es gibt doch kaum noch christliches Engagement! Wer hat denn Mut zu christlichen politischen Akzenten?! Da müssen wir wieder anfangen! Aber im kleinen, nicht bei den großen Dingen! Jeder muß sich fragen: Wo ist meine Umkehr, wo stehe ich. Je höher die Stellung, desto öfter! Das ist ein Rat an Priester und Laien gleichermaßen. Schauen sie doch auf die vielen unauffälligen kleinen Laien, die einfach in der Pfarre da sind, da ist oft so viel Hingabe!

Also müssen die Laien Aufgaben des Priesters übernehmen?

Werner: Der Priester ist als Stellvertreter Christi unvertretbar! Der Laie nimmt am Amt teil, in seiner Art und Weise. Der Priester hat die Gnade und die Verantwortung, Christus würdig vertreten zu dürfen und zu können. In der Heiligen Messe wird Christus vergegenwärtigt in seiner Hingabe, im Kreuz und in der Auferstehung. Wenn dann der Pfarrer hinausgeht, muß er das weiterleben! Das was er vermitteln darf, muß durch ihn erscheinen, er muß wie Jesus unter die Leute gehen. Heute sind die oft so müde, ausgebrannt, nicht mehr Quelle der Gemeinde! Der Laie muß sich um seine Geistlichkeit bemühen. Nicht nur Vorbeter, Kommunionausteiler usw. Er braucht die gelebte Tiefe! Er braucht das Glaubensgespräch, in dem sich diese Tiefe ausdrückt. Ich war bei einer Pfarrgemeinderatssitzung. Nur Organisation. Erst ganz zum Schluß kommt die Rede zufällig aufs Bußsakrament. Und da sagt dann einer "Sag, wie geht's Dir mit der Beichte?" Und es entwickelt sich ein Gespräch, und die Herzen gehen auf - und eine tiefe Dankbarkeit erfüllt alle. Wir brauchen die Tiefe, deshalb sollen wir zusammenkommen! Und dann kommt das Konzept dazu.

Ist die KMB noch wesentlich in diesem Sinne?

Werner: Das ist sehr stark unterschiedlich, auch innerhalb einer Diözese. An und für sich gibt es in der KMB eine gute Substanz! Natürlich: Die Jugend fehlt! Oft ist da furchtbare Frustration, und das mach die KMB wenig attraktiv. Es braucht in der KMB wieder die Selbstverständlichkeit des Glaubens, das einfache Vertrauen! Wir sind kein sozialer Verein - unser Tun kommt von Christus her! Man muß spüren: Wir sind anders! Kirche ist mehr! Da ist ein Offizier in der Hohen Wand abgestürzt. Die AKS hat rund um die Uhr die Hinterbliebenen betreut. Die haben miteinander gebetet, gelitten, Trost gespendet, waren einfach da - das ist Kirche.

Gibt es sie noch - die Heiligung?

Werner: Es ist der Anteil am göttlichen Leben Christi durch heiligmäßiges Leben: In der Erziehung der Kinder, durch meine Arbeit, durch den Gottesdienst. Wenn ich das bei der Messe auf den Altar lege, heilige ich! Schauen Sie, ich erinnere mich, wie mein Vater beim Polizeiverein am Fest Kreuzeserhöhung erzählt hat, was ihm das bedeutet. Das hat mich tief beeindruckt, wie er davon sprach, und es machte nichts, daß die einen lachten. Dieses Zeugnis der Hingabe! Die anderen müssen spüren daß Du weißt: Gott hat mir Dir was vor!

Wie kann man dieses Ziel erreichen?

Werner: Durch alles, was heiligt: Treue im Gebet, ein Gebetsleben, Zeugnis geben, auch Zweifel zugeben, sich durch Sakramente heiligen lassen, die Hauskirche intensivieren, durch den Besuch eines Glaubenskurses, durch Gewissensbildung. Den Glauben weiterbilden, keine Zufallstreffer: Man kann nur lieben, was man kennt! In der Verliebtheit hängenzubleiben ist pubertär. Der Christ hat die Pflicht, alles zu tun um Gott kennenzulernen. Glaube ist keine Laune!

Stichwort: Heiliger Geist?

Werner: Unsere Sprache erzählt so viel über Geist: geistreich, Schöngeist, sogar Weingeist, hochgeistig ... Das ist uns also nichts Fremdes. Er ist Intelligenz, Freude, Kreativität, Suche, Vernunft. Wenn sich der Mensch zum Maß macht, geht es schief. Geist kommt von wo. Was bedeutet nur Geist der Liebe in der zwischenmenschlichen Beziehung! Liebe möchte teilhaben lassen. Gott ist die Liebe, die in der Schöpfung teilhaben läßt. Der Heilige Geist schafft, waltet, lenkt. Der Geist der Liebe ist in Christus greifbar. Er dauert nach dem Tode fort und gibt Kraft. Er ist ein Einfall Gottes, seine Kraft angreifbar zu machen durch den Geist, der fortwirkt. Alle, die sich öffnen, werden geisterfüllt! Ob das ein Delp war oder Mutter Teresa ist. Es ist der Geist der Liebe. - Der Geist wirkt in der Schöpfung, durch den Geist kann ich Gott erkennen. Denn ohne ihn käme mir der Gedanke gar nicht. Sonst würden wir in uns irgendwie ruhen. Die Früchte werden sichtbar, wenn ich von ihm getroffen bin, wenn ich mich geöffnet habe. Der Mensch braucht diesen Geist der Liebe, um seine Gaben zu entfalten! Und die erste Gabe ist die vergebende Gabe! Ein geisterfüllter Mensch wird barmherzig sein. Wenn er selber bekommen hat, kann er auch geben.

Wenn ich mich öffnen kann - wie kann ich den Hl. Geist behindern?

Werner: Es gibt die Sünde aus Verhärtung! Das wirkliche Problem ist ja gar nicht so sehr die Sünde, die ich erkenne und bewußt begehe, sondern diejenige, die aus Bereichen kommt, die ich nicht erkenne! Denn dann ist Vergebung nicht möglich, und ich kann auch selber nicht vergeben! Das Bewußtsein der Schuld ist der erste Schritt zur Versöhnung. Das kann man nur auf dem Hintergrund des Lichtes sehen! Wenn man sich mit Gott verglichen hat, weiß man, wie weit weg man ist.


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